Rose Ausländer. Phönixzeit

Liest man Gedichte von Rose Ausländer zum erstenmal, so hat man zuweilen den Eindruck, dass diese Frau aus irgendwelcher Märchenwelt zu uns kam und lauter aus poetischer Materie besteht. In ihren Gedichten werden irdische Gesetze abgeschafft, hier vollziehen sich unglaubliche Metamorphosen. Das lyrische „Ich“, das in den meisten Fällen mit der Autorin selbst identisch ist, kann eine biblische Figur (Eva), eine Biene oder eine Koralle sein, es kann „im Atemhaus wohnen“, „mit Delphinen tanzen“ oder „den Drachen reiten“.
Ganz sicher steckt hinter diesen Wundern eine gewisse Tradition, die mit der Herkunft der Dichterin aus einem Land zu tun hat, wo Märchen und Mythen „in der Luft lagen“, wo man sie einfach „einatmete“. Dieses Land hieß Bukowina und war einmal das östlichste Kronland der alten Donaumonarchie.